Herausgefordert, aber motiviert

2026 Zukunftscafe (Foto: Roman Salzmann)
Die Thematik, wie sich die Kirchgemeinde entwickeln könnte, stand hoffnungsvoll im Fokus des Zukunftscafés von Evangelisch Thal-Lutzenberg. Die Kirchenvorsteherschaft orientierte zudem über den Stand des angekündigten Neuanfangs, der sich in personeller Hinsicht herausfordernd gestaltet.
Rund 50 Mitglieder und engagierte freiwillige Mitarbeitende der Evangelischen Kirchgemeinde Thal-Lutzenberg machten sich am vergangenen Samstag, 31. Oktober 2026 im Kirchgemeindehaus Buechen Gedanken über die Zukunft der Kirchgemeinde. Ebenso informierte die Kirchenvorsteherschaft über den Stand der Arbeiten im Zusammenhang mit diversen Stellenbesetzungen, zumal beide Pfarrerinnen per Ende April 2027 in den Ruhestand treten werden.

Herausfordernde Personalsuche
Roman Salzmann, der externe Kurator, der als treuhänderischer Verwalter im Auftrag der Kantonalkirche das Interimspräsidium wahrnimmt, erklärte, dass das Zukunftscafé das Resultat einer Retraite der Kirchenvorsteherschaft sei. Die Behörde habe es sich dabei zum Ziel gesetzt, dass ihre Arbeit, soweit es möglich ist, sichtbar werde: «Alle Behördenmitglieder leisten wertvolle Hintergrundarbeit, die nötig und naturgemäss doch oft nicht direkt sichtbar ist.» Deshalb bat er auch um Verständnis, dass noch nicht «vom grossen Wurf gesprochen werden kann». Er übergab das Wort Kirchenvorsteherin Denise Scholze, die als Präsidentin der Personalfindungskommission kurz über den Stand des Bewerbungsprozesses informierte, da die Verantwortlichkeiten für das Pfarramt und die Sozialdiakonie per Mai 2027 neu besetzt werden müssen. Sie erklärte, dass die Vorsteherschaft bewusst nach Pfarrpersonen und nach Verantwortlichen im Bereich Sozialdiakonie Ausschau halte, die sich die Arbeit eigenverantwortlich mit Blick auf die Bedürfnisse der Gesamtgemeinde aufteilen sollen. Damit könnten die verschiedenen Aufgaben optimal und nach Stärken und Ausbildungsschwerpunkten verteilt werden: «Wir haben erwartungsgemäss nicht sehr viele Bewerbungen erhalten, weil in den Bereichen Pfarramt und Diakonie Personalmangel herrscht.» Sie freute sich aber doch mitteilen zu können, dass gewisse Gespräche in eine gute Richtung tendieren. Sie sei verhalten optimistisch, dass «sich zumindest für einen Teil der Stellenprozente erste Lösungsansätze anbahnen».

Jugendarbeiter erhielt anderes Jobangebot
Leider musste sie auch bekannt geben, dass der erst im Sommer angestellte Kinder- und Jugendarbeiter Timon Huber die Kirchgemeinde Ende Januar 2027 wieder verlassen wird. Die Aufgaben dieser Stelle würden deshalb im Rahmen des Bewerbungsprozesses ebenfalls in die Gespräche einfliessen. Scholze bedankte sich für Hubers Engagement, den sie sehr motiviert und wertvoll für die Gemeinde erlebte habe. Sie dankte ihm insbesondere auch für seine Einstellung, mit seiner frühzeitigen Ankündigung einen geordneten Übergang zu ermöglichen. Bis Ende Januar – so Huber – werde er «selbstverständlich weiterhin vollen Einsatz zeigen». Es sei ihm wichtig, Projekte «sauber abzuschliessen». Er sei auch bereit, bei Bedarf nach seinem offiziellen Austritt in einer Übergangsphase Angebote auf freiwilliger Basis zu unterstützen. Er sei aber nach reiflicher Überlegung zum Schluss gekommen, dass sein neues berufliches, kirchliches Umfeld besser mit seiner persönlichen Vision und seinen Werten übereinstimme.

Pfarrhaus: Abklärungen laufen
Im Zusammenhang mit dem Auszug von Pfarrerin Barbara Köhler aus dem Pfarrhaus in Thal erklärte der für Liegenschaften zuständige Kirchenvorsteher Fabian Aemisegger, dass man verschiedene Aspekte im Auge habe: Erstens müsse man abwarten, wie sich die Stellenbesetzungen ergeben. Zweitens werde abgeklärt, welche Renovationsarbeiten am 100-jährigen Haus nötig sind und wie die Liegenschaft je nach Entwicklung alternativ genutzt werden könnte.

Angeregte Diskussionen
In interaktiven Gruppenarbeiten hatten die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger Gelegenheit, ihre persönlichen Anliegen und Wahrnehmungen einzubringen. Sie diskutierten angeregt über die freiwerdenden Stellen in den Bereichen Pfarramt und Diakonie und wünschten sich integrierende Persönlichkeiten. Die Idee der Kirchenvorsteherschaft wurde begrüsst, ein sich gut ergänzendes Team zusammenzustellen, das als Ganzes für die gesamte Kirchgemeinde und nicht für einzelne Orte zuständig ist. Ein grosses Anliegen war es den Anwesenden, dass Familien und junge Menschen gut betreut werden. Es gelte Taufen und Konfirmationen als wichtige Anknüpfungspunkte für die Aufrechterhaltung beziehungsweise die Vertiefung des Kontakts zu nutzen. In der Kinder- und Jugendarbeit wurde Potenzial ausgemacht, und es wurde laut über eine Jungschar nachgedacht. Zum Gottesdienstangebot wurde festgehalten, dass es sinnvoll wäre, die Gottesdienste abwechselnd jeden zweiten Sonntag in Buechen beziehungsweise Thal abzuhalten. Ein Fahrdienst wurde ebenfalls angeregt. Auch die Infrastruktur war den Anwesenden ein Anliegen. Die Idee der Kirchenvorsteherschaft, die Möglichkeiten rund um das freiwerdende Pfarrhaus in Thal genau unter die Lupe zu nehmen, wurde begrüsst. Mehrheitlich sprach man sich tendenziell dafür aus, das Gebäude zu behalten. Beide Kirchen seien weiterhin wichtig, und in den beiden Kirchgemeindehäusern wurden Chancen ausgemacht, sie bewusst als Orte gemeinsamer Aktivitäten zu positionieren – egal ob für eigene oder Drittveranstaltungen. Auch betreffend Freiwilligenarbeit machten sich die Anwesenden Gedanken: Sie spüren die Tendenz, dass Freiwillige eher zur Mitarbeit gewonnen werden können, wenn sie mit weniger grossen Aufgaben oder Projekten betraut werden. Dieser Entwicklung müsse man Rechnung tragen.

In Stürmen Gott vertrauen
Am Reformationssonntag, 1. November, gestaltete die Kirchenvorsteherschaft den Gottesdienst in der Kirche Buechen mit. Zusammen mit den beiden Pfarrerinnen Angelica Grewe und Barbara Köhler thematisierten sie das Kirchenlied «Das Schiff, das sich Gemeinde nennt». Dabei wurde deutlich, dass es wichtig ist, Jesus Christus als Fundament der Kirche im Zentrum zu behalten, als «Mannschaft» gemeinsam das Schiff zu steuern und dabei gerade in «Stürmen» auf Gott zu vertrauen.

Bildlegende
Rege Diskussionen: Engagierte Mitglieder der Kirchgemeinde brachten ihre Anliegen für die Zukunft ein.